Fikensolt

Schloss Fikensolt
Schloss Fikensolt

Die Bevölkerungsentwicklung in Eggeloge auf einen Blick:

Die Streifenstruktur des Ammerlandes in der Richtung von NO nach SW büßt südwestlich der Bodenwelle von Westerstede ihren Zusammenhang ein. Die einzelnen Bodenwellen setzen sich nach SW in einzelnen Hügelketten fort. Vor der Westersteder Bodenwelle liegt der Hochkamp, und die Linsweger Bodenwelle findet ihre Fortsetzung in den Hügeln von Hüllstede, dem Fikensolter Hügel, dem Mansier, Linderner und Ocholter Hügel. Der Fikensolter Hügel ist von der Westersteder Bodenwelle und dem Hochkamp getrennt. Diese Niederung hat den Flurnamen "Wösten". Der Name sagt uns, dass die Niederung früher von den Menschen nicht benutzt werden konnte; sie war für sie eine Wüste. Die höchste Erhebung des Fikensolter Hügels, die sich 8,75 Meter über NN erhebt, hat nach verschiedenen Seiten ein starkes Gefälle und daher eine sehr gute Abwässerung. Deshalb ist der Hügel schon sehr früh besiedelt worden. Heute hat Fikensolt rd. 310 Einwohner.

Die Geschichte des Dorfes ist eng verbunden mit der Geschichte des Ritterge­schlechtes der Fikensolter.

Urkundlich genannt wird das Geschlecht der Fikensolter erstmals im Jahre 1123, als sie für die Gründung der Westersteder St. Petri-Kirche Grund und Boden stifteten. Die Junker von Fikensolt - oft auch Fikensholt genannt - waren ein reich begütertes Adelsgeschlecht. Ihr Reichtum bestand nicht nur in ausge­dehnten Ländereien, sondern sie besaßen auch viele Meier und Leibeigene in den Graf­schaften Oldenburg und Delmenhorst, die ihnen Geld und Naturalien geben und ihnen Hand- und Spanndienste leisten mussten. Weit mehr als 30 Bauernhöfe waren ihnen leibeigen und zinspflichtig zugetan. Ein Teil der Fikensolter Besitzungen kam 1587 an die Herren von Kobrink im Bistum Münster, ist später aber wiederum zurückgekauft worden. Der letzte Junker von Fikensolt starb im Jahr 1613. Sein Neffe Hedde von Waddewarden aus dem Jeverlande wurde Erbe. Diesem folgte der Sohn Johann von Waddewarden, der als Junker von Fikensolt in die Geschichte eingegangen ist und am 6. Oktober 1669 im Alter von 53 Jahren an seinem Hochzeitsmorgen plötzlich und unerwartet verstarb, eben in dem Augenblick, als seine junge Braut Maria Gertraud Schulze von Holzenklinken eingetroffen war, um ihren Bräutigam zum Kirchgang abzuholen. Dieses Ereignis gab hinreichenden Stoff zu der Sage von der Braut von Fikensolt und zu dem Sprichwort: "He kummt to lat as de Bruut van Fikensolt".

In dieser Sage ist Dichtung und Wahrheit bunt gemischt. Die Geschichtsschreibung ist nüchterner und sachlicher, als es die Phantasie des Volkes und der Poeten, die sich des dankbaren tragischen Stoffes so vielfältig angenommen haben, zu sein pflegt. Über den tatsächlichen Sachverhalt hat der derzeitige Pastor, Magister Heinrich Brockelmann (1667 bis 1691) in das Westersteder Kirchenbuch folgende objektive Eintragung gemacht:

"Den 6. Oktober Anno 1669 ist der Hochedelgeborene und Gestrenge Junker Johann v. Watwarden, Erbherr zu Watwarden und Fikensolt catarrho suffocativo unvermutlich gestorben, eben an demselben Tage, da er seine Hochzeit halten und mit der Hochedel­geborenen, Hochedelreichen und viel Tugendsamen Jungfrau, der Maria Gertraud, des weiland Hochedelgeborenen und Gestrengen Herrn Schultze, Erbherrn zu Holtzenklinken im Herzogtum Bremen Tochter sollte itzo copulieret werden. Alt 53 Jahre."