Westerstede - Die Stadt Westerstede geht neue Wege: Sie wird die aus dem Jahr 1952 stammende Abwasserreinigungsanlage mitsamt Grundstück sowie das gesamte Kanalnetz von der EWE Wasser zurückkaufen und sich ab dem 1. Januar 2025 selbst um die Abwasserentsorgung kümmern. „Das war ein sehr langer Prozess mit vielen Gesprächen und nicht öffentlichen Beratungen, aber die gesamte Politik und die Verwaltung sind sich einig, dass wir selbst diese Aufgabe übernehmen wollen“, sagt Westerstedes Kämmerer Rico Busch.
Vertrag über 30 Jahre
Ende 1993 hatte die Stadt mit der EWE AG (heute EWE Wasser) einen Vertrag über eine Laufzeit von 30 Jahren geschlossen (Start 1994). Seitdem kümmert sich die EWE Wasser um das Abwasser aus der Stadt Westerstede und seinen umliegenden Dörfern Burgforde, Felde, Fikensolt, Gießelhorst, Halsbek, Halstrup, Hollriede, Hollwege, Hüllstede, Ihausen, Ihorst, Karlshof, Linswege, Mansie-Lindern, Moorburg, Neuengland, Ocholt, Tarbarg, Torsholt, Westerloy und Westerstederfeld. Nicht angeschlossen sind die Ortschaften Eggeloge, Garnholt und Petersfeld, hier erfolgt die Entsorgung, mit der die Stadt Firmen beauftragt, über Kleinkläranlagen. Vereinbart worden war damals, dass sich der Vertrag zwischen Stadt und EWE um weitere 30 Jahre verlängert, wenn er nicht bis Ende 2018 gekündigt wird. „Wir haben uns für eine Kündigung des Vertrages ausgesprochen. Das ist keine Entscheidung gegen die EWE, sondern eine Entscheidung für den Wettbewerb. Wir wollten angesichts der langen Laufzeit das Ganze hinterfragen und haben uns deshalb sechs Jahre lang intensiv mit der Thematik beschäftigt. Dass Städte und Kommunen sich auch selbst um das Abwasser kümmern, zeigt der Blick ins Land und sogar in unsere unmittelbare Nachbarschaft. In Bad Zwischenahn gibt es seit Jahrzehnten die Gemeindewerke, die sich um die (Trink-)Wasserversorgung, die Beseitigung von Niederschlagswasser sowie um die Abwasserbeseitigung kümmern“, so der Finanzchef der Stadt.
Neuer Partner WTE
In Westerstede ist für die Trinkwasserversorgung der Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) zuständig, für das Niederschlagswasser und künftig auch für den Bereich Abwasser die Stadt. „Wir haben eigens einen Mitarbeiter eingestellt, der sich in der Verwaltung schwerpunktmäßig um das Abwasser kümmert. Natürlich sind wir beim Betrieb der Kläranlage und des Kanalnetzes auf fachliche Unterstützung angewiesen. Um auszuloten, ob es spezialisierte Firmen in dem Bereich gibt, hatten wir europaweit ausgeschrieben.“ Künftig will Westerstede in Sachen Abwasser mit der Firma „wte“ aus Hecklingen (Sachsen-Anhalt) zusammenarbeiten, ein auf Wassertechnik spezialisiertes Unternehmen.
Kanäle trennen
Und welche Folgen hat der Wechsel von der EWE Wasser zur Stadt Westerstede für Bürgerinnen und Bürger? „In Politik und Verwaltung ist es Konsens, dass die Abwassergebühren möglichst nicht steigen sollen, aber dass wir gleichzeitig in den Bereich Abwasser investieren“, so Busch. „Wir wollen in unseren alten Siedlungen künftig die bisherigen Mischwasserkanäle, über die Regenwasser und Abwasser transportiert wird, trennen und für Regenwasser und Abwasser jeweils eigene Kanäle bauen.“ In der zweiten Jahreshälfte 2024 sollen die Arbeiten für das Wohnquartier Bohmsende beginnen. Die Investitionen für die Arbeiten in diesem Quartier werden rund 3 Millionen Euro beziffert.
Einen anderen Weg als die Stadt Westerstede geht in Sachen Abwasser die Nachbargemeinde Apen. Sie wechselt zum Jahresende von der EWE Wasser zum Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV).
Die Westersteder Kläranlage an der Ammerlandallee: Hier wird das Abwasser der Stadt gereinigt. Bislang kümmert sich die EWE Wasser um die Anlage und das Kanalnetz, ab 2025 will das die Stadt mit fachlicher Unterstützung eines Unternehmens erledigen.© Hartmut Ahlers Fotografie