EGGELOGE/AMMERLAND. Nach zehn Jahren sind die Eggeloger zum zweiten Mal im Landesentscheid für „Unser Dort hat Zukunft“ und darauf sind sie sichtlich stolz. Zu Recht, denn immerhin haben sich in Niedersachsen 172 Dörfer beworben, von denen 48 durch eine Kommission für den Landeswettbewerb nominiert wurden. In der nächsten Runde des Wettbewerbs wird die Luft dünner.
Zum Pressetermin am Dorfgemeinschaftshaus sind sie zahlreich erschienen mit Kindern, Hunden und den Fahrzeugen der „Oldtimer Frünn Eggeloge“ (Oldtimer Freunde), um ihrer Bewerbung Nachdruck zu verleihen. „Der jüngste und der älteste Eggeloger sind heute auch dabei“, freut sich Heiko Willms, Vorsitzender der Ortsbürgervereins (OBV).
Public Viewing? Tohop kieken bei der Frauen-EM
Man spürt den lebendigen Zusammenhalt. Auch Fernsehen wird gern mal zusammen geschaut im Dorfgemeinschaftshaus. Seit der Renovierung im Jahr 2002 mit viel Eigenarbeit lädt hier der ehemalige Schweinestall mit Theke, Stühlen und Tischen zum Verweilen ein.
Jetzt zur Europameisterschaft der Frauen wollen sie das wieder machen: „Natürlich heißt das bei uns nicht ,Public Viewing’’“, sagt Willms, „es heißt: Tohop kieken, was so viel heißt wie ,auf einem Haufen gucken’.“ 50 Leute kämen schon mal zu einem Fernsehabend. Aus dem Jahr 2002 stammt auch der Dorfentwicklungsplan, den die Dorfgemeinschaft selbst erstellt hat und kontinuierlich weiterentwickelt. „Die Dorfgemeinschaft beschäftigt sich mit Stärken und Schwächen und arbeitet aktiv daran“, so Willms. In Hinsicht auf den Wettbewerb verrät er: „Wir haben hier so einige, die eine gute Präsentation hinlegen können. Das ist nicht in jedem Dorf der Fall.“
90 Arbeitsplätze im Dorf
Und er erklärt, was Lebensqualität für die Eggeloger ausmacht. Nicht nur ein familienfreundliches Dorf für Pendler zu sein, ein verträumter Ort – der Eggeloge zweifelsohne auch ist –, der nach getaner Arbeit in der nahegelegenen Stadt als Rückzugsquartier dient. Nein: „Leben und Arbeiten im Dorf ist unser Slogan“, sagt Willms. Und das bedeutet, dass es in dem Dorf mit 330 Bewohnern immerhin 90 Arbeitsplätze gibt. Es gibt eine Gärtnerei, acht Bauernhöfe und zwei Biogasanlagen, sagt der OBV–Vorsitzende, und das bedeute eben auch: Toleranz und Akzeptanz. In Hinsicht auf die Zukunft kann Eggeloge auf eine Altersstruktur verweisen, die berechtigte Hoffnungen weckt: „Von unseren 330 Dorfbewohnern sind 56 Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren“, so Willms.
Ein Garten als Keimzelle des Dorfmarktes
Ein echtes Kleinod im Dorf ist der Garten des Ehepaars Hannelore und Eberhard Krusch. 5.600 Quadratmeter sind es insgesamt, die der Hausherr liebevoll „kurioser Kunterbuntgarten“ nennt. Etwa 800 Quadratmeter davon nimmt der Gemüsegarten ein mit Erbsen, Kartoffeln, Rote Beete, Dill, Möhren und Dicken Bohnen. Dabei ist der Garten alles andere als kurios, denn für den gelernten Gärtner geht es neben der Selbstversorgung darum, den Bienen eine Heimat mit möglichst vielen Blüten zu bieten. Akazien, Krokusse, Märzbecher und vieles mehr bieten den Tieren eine reiche Nahrungsgrundlage und natürlich gibt es eine Imkerei. Regelmäßig wird der Garten für Führungen von Schulklassen und anderen Gruppen genutzt. Nicht zuletzt war der Krusch’sche Garten die Keimzelle des Dorf- und Tauschmarktes, der alle zwei Jahre stattfindet, nächstes Mal wieder am 3. Oktober 2026.
Die Konkurrenz ist groß
Doch Natur, Jugend und Arbeit hin oder her, die Konkurrenz im 28. Landeswettbewerb ist groß mit 48 Kandidaten, von denen nach der nächsten Runde nur noch 18 in den finalen Landesentscheid einziehen werden. Drei Regionen sind es, aus denen die Mitbewerber kommen: Wie Eggeloge aus der Region Weser-Ems kommen weitere sieben Dörfer. Aus den Regionen Braunschweig, Leine–Weser und Lüneburg kommen die anderen Mitbewerber. Diejenigen, die von den 18 Finalisten unter die ersten drei Kandidaten in Niedersachsen kommen, können 2026 am Bundesentscheid teilnehmen




