Olec Mün auf den Spuren seiner jüdischen Vorfahren

Argentinier stellt „Versöhnungsprojekt“ vor

Bewegend war es am 6.11.2019 für alle Beteiligten im Sitzungssaal im Rathaus: Für Olec Mün, der als erstes Familienmitglied nach der Flucht seiner Urgroßeltern und Großeltern Westerstede besuchte, für Paul Hansen und Gesa Roßkamp vom Gymnasium, Thore Hauschulz vom Jugendbeirat und Vertreterinnen der Stadtverwaltung.

Der Argentinier lebt seit rund einem Jahr mit seiner Frau in Barcelona. Er hatte vor kurzem Kontakt zur Stadt Westerstede aufgenommen. Olec Mün ist Musiker und Komponist und hat ein Klavierwerk „Reconciliation“ geschrieben, übersetzt heißt es "Versöhnung". Bereits im Frühjahr wird er seine Kompositionen im Gymnasium Westerstede aufführen. Stücke, die den jüdischen Großeltern gewidmet sind. Aber nicht nur in Westerstede, auch in Wien wird er spielen.

Hilke Hinrichs, allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters, hatte zuvor mit ihm den Jüdischen Friedhof, das Geburtshaus seines Großvaters, die Villa Höfft und die Stadtbücherei besucht. „Diese Orte, die ich bisher nur aus Erzählungen kannte, haben mich sehr berührt“, so Olec Mün. Sein Großvater wollte nicht wieder nach Westerstede reisen, er habe auch nicht oft erzählt und wenn, dann unter Tränen. Der 34-jährige betonte, dass er seinem Gefühl folge, dem Gefühl „das musst du jetzt tun“. Deshalb sei nun auch die richtige Zeit  für sein Projekt. Er  zeigte sich aber auch  erschrocken über die aktuellen antisemitischen Angriffe. Auf die Frage, ob er Angst habe, schüttelt er den Kopf. „Nein!“ Es zeige ihm aber, dass es gerade jetzt wichtig sei, mit seinem Projekt in die Öffentlichkeit zu gehen. Mit Musik könne man viel ausdrücken, Musik habe Kraft.

Viele Fragen rund um die Vergangenheit, den damaligen Geschehnissen, den Empfindungen der jüdischen Großeltern stellten Paul Hansen und Gesa Roßkamp und es fand ein emotionaler Austausch statt. Olec Mün ist überzeugt, durch das Treffen in Westerstede die Geschichte seiner Groß- und Urgroßeltern zu rekonstruieren, gleichzeitig aber auch seine eigene Geschichte zu schreiben, und zwar mit dem „Reconciliations“-Projekt.

Abschließend zeigte er eine Video-Botschaft seines 90jährigen Großvaters Siegfried Strauß. Dieser lebte bis zu seinem sechsten Lebensjahr in Westerstede und floh dann mit seiner Familie nach Argentinien. Er unterstützt das Projekt seines Enkelsohns. In dem Video schildert Siegfried Strauß  sehr ergreifend die Zeit in Westerstede.

Olec Mün auf dem jüdischen Friedhof

Hilke Hinrichs führte Olec Mün durch die Stadt. Hier stehen sie an der Gedenktafel der Stadtbücherei.